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Gedankensplitter IV zum Josefsjahr – „Vater im Gehorsam“

von Kooperator Moritz Neufang

Wie Gott Maria seinen Heilsplan offenbarte, so offenbarte er ihn auch Josef; er tat dies durch Träume, die in der Bibel, wie bei allen alten Völkern, als einer der Wege angesehen wurden, durch die Gott seinen Willen kundtut. Josef ist angesichts der unerklärlichen Schwangerschaft Marias sehr besorgt: Er will sie nicht öffentlich „bloßstellen“, sondern beschließt, „sich in aller Stille von ihr zu trennen“ (Mt 1,19). Im ersten Traum hilft ihm der Engel, einen Ausweg aus seinem ernsten Dilemma zu finden: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,20-21). Unverzüglich erfolgte seine Antwort: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“ (Mt 1,24). Im Gehorsam überwand er sein Dilemma und rettete Maria. Im zweiten Traum gebietet der Engel Josef: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2,13). Josef gehorchte ohne zu zögern und ohne die Schwierigkeiten zu hinterfragen, auf die er stoßen würde: „Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes“ (Mt 2,14-15). In Ägypten wartete Josef zuversichtlich und geduldig mit der Rückkehr in sein Land, bis die versprochene Nachricht des Engels bei ihm eintraf. Als der göttliche Bote ihm in einem dritten Traum mitgeteilt hatte, dass diejenigen, die das Kind töten wollten, nun tot seien und ihm befohlen hatte, aufzustehen und das Kind und seine Mutter zu nehmen und in das Land Israel zurückzukehren (vgl. Mt 2,19-20), gehorchte er abermals ohne zu zögern: „Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel“ (Mt 2,21). Als Josef aber auf der Rückreise „hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte“ – und es ist dies das vierte Mal –, „zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder“ (Mt 2,22-23). Der Evangelist Lukas berichtet seinerseits, dass Josef die lange und beschwerliche Reise von Nazaret nach Betlehem auf sich nahm, um sich gemäß dem von Kaiser Augustus erlassenen Gesetz zur Volkszählung in seiner Heimatstadt eintragen zu lassen. Und unter eben diesen Umständen wurde Jesus geboren (vgl. Lk 2,1-7) und, wie alle anderen Kinder auch, ins Einwohnerverzeichnis des Reiches eingetragen. Der heilige Lukas legt insbesondere Wert darauf mitzuteilen, dass die Eltern Jesu alle Vorschriften des Gesetzes einhielten: die Riten der Beschneidung Jesu, der Reinigung Marias nach der Geburt und der Darbringung des Erstgeborenen an Gott (vgl. 2,21-24). In jeder Lebenslage vermochte Josef, sein „fiat“ zu sprechen, wie Maria bei der Verkündigung und Jesus in Getsemani. Als Familienoberhaupt brachte Josef Jesus bei, seinen Eltern zu gehorchen (vgl. Lk 2,51), wie es dem Gebot Gottes entspricht (vgl. Ex 20,12). In der Verborgenheit von Nazaret, in der Schule Josefs, lernte Jesus, den Willen des Vaters zu tun. Dieser Wille wurde zu seiner täglichen Speise (vgl. Joh 4,34). Auch im schwierigsten Augenblick seines Lebens, in Getsemani, zog er es vor, den Willen des Vaters zu tun und nicht seinen eigenen, und er war „gehorsam bis zum Tod [...] am Kreuz“ (Phil 2,8). Aus diesem Grund kommt der Verfasser des Hebräerbriefes zu dem Schluss, dass Jesus „durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt“ hat (5,8). All diese Ereignisse zeigen: Josef war „von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen: Auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich Diener des Heils“.

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Auch heute erleben wir Unterdrückung und Leid, in besonders großem Maß in den großen Konflikten und Fragen unserer Zeit, denken wir nur an den gewaltsamen Umsturz in Myanmar, die Gewaltausbrüche in den USA, oder der schon so lange andauernde Konflikt in Syrien. Alle menschenmöglichen Untaten größten Ausmaßes wurden in der Vergangenheit und besonders von Verantwortlichen – so man ihrer habhaft wurde – mit dem Argument der Gehorsamsverpflichtung gegenüber einer Sache oder einer Person begründet und gerechtfertigt. Man kann sicher sagen, dass Geschichten menschlichen Versagens nicht neu sind und auch die Heilige Schrift erzählt beständig davon: Gott umwirbt den Menschen, erwählt das Volk Israel und verheißt Segen in Fülle, so es seinen Geboten treu ist. Die Untreue des Volkes Gottes führt letztlich immer zu Unheil und Leid aller Art – auch Josef weiß das. Inmitten dieser Wirklichkeit ereilt ihn „sein Ruf“, Jesus und Maria, seine Frau, zu schützen und das Wagnis des recht unbeständigen Lebens im Exil auf sich zu nehmen. Immer neu lässt er sich auf die Gegebenheiten ein, fragt nicht mehr nach, er erfüllt die Anweisungen in tiefer Liebe und dem Bewusstsein, dass er im Hören auf Gott, den Lebendigen, handelt. Der neutestamentliche Begriff des Gehorsams steht im Zusammenhang mit einer Entscheidung des Glaubens. Ein bedingungsloser Gehorsam, der nicht weiß und nicht danach fragt, wem er da gehorsam ist, ist für Christen keine Option. Gehorchen folgt aus dem Hören auf die Stimme des Herrn (vgl. etwa Ps 95). Auch jeder Gehorsam gegenüber Menschen muss sich auf das Evangelium des Herrn zurückführen lassen. Das heißt für mich: Ich lasse mich und mein Hiersein verwenden im Vertrauen darauf, dass mir von Gott dem Herrn alles zukommt, was ich zum Leben brauche, zuletzt auch Liebe, die Bestätigung, dass ich gewollt bin, dass mein Leben im Blick auf Gott einen tiefen Sinn empfängt.

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Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

 

„Du bist meine Zuversicht“

Heilig-Rock-Tage 2021 finden statt –

digital und mit Gottesdiensten

 

Trier – „Du bist meine Zuversicht“: Unter diesem Leitwort stehen die

Heilig-Rock-Tage 2021 in Trier, die vom 16. bis 25. April stattfinden.

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Schutz-

maßnahmen bieten sie in diesem Jahr unterschiedliche Gottesdienste

im Dom und zahlreiche Online-Angebote.
„Die wunderbaren Begegnungen vieler Menschen müssen aufgrund der Situation leider entfallen“, erklärt Wolfgang Meyer, Bischöflicher Beauftragter für die Heilig-Rock-Tage. Mit dem ausgearbeiteten Konzept unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wolle das Bistum Trier aber „ein Signal der Hoffnung, der Zuversicht und der Solidarität setzen“. So wird unter anderem die Mariensäule in den zehn Tagen in einem hoffnungsfrohen Licht erstrahlen.

 

Bischof Dr. Stephan Ackermann eröffnet die Heilig-Rock-Tage mit einem Gottesdienst am Freitag, 16. April um 17 Uhr im Trierer Dom. Der Gottesdienst wie auch das Abendlob um 21 Uhr werden live übertragen. Alle übertragenen Gottesdienste oder Veranstaltungen mit den jeweiligen Empfangsmöglichkeiten sind unter https://www.heilig-rock-tage.de/videos zu finden. Wer an einem der Gottesdienste oder einem Abendlob teilnehmen möchte, meldet sich bitte unter www.dominformation.de an.

 

Während der Heilig-Rock-Tage gibt es täglich das Ökumenische Mittagsgebet um

12 Uhr im Trierer Dom, Gottesdienste (Sonntags um 10 Uhr, werktags um 18 Uhr sowie zusätzliche Angebote), das musikalische Online-Angebot um 19.30 Uhr „AufeinehalbeStundeKonzert“ sowie den Tagesabschluss mit dem Abendlob um 21 Uhr (16. bis 23. April). Die Heilig-Rock-Kapelle ist zum Gebet geöffnet. Der Fürbitt-Ort ist in diesem Jahr auch digital unter www.padlet.com/bistumtrier/fuerbitten erreichbar. Im Domkreuzgang lädt die Ausstellung „Mehr Leben entdecken“ dazu ein, sich interaktiv auf die Spuren von Pater Richard Henkes zu begeben.

 

Dazu kommen Angebote für besondere Zielgruppen. So findet am Samstag, 17. April, um 10 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst (übertragen) im Dom statt, und der Arbeitsbereich Ehrenamtsentwicklung bietet einen digitalen Fachtag zum Thema „Partizipation“ an. Der Diözesan-Caritasverband Trier verbindet die „Woche für das Leben“ mit den Heilig-Rock-Tagen und diskutiert online über „Hospiz als Versprechen“ (übertragen). Die Auszeichnung mit der Bistumsmedaille erhalten Ehrenamtliche am Sonntag, 18. April, im Anschluss an das Hochamt (übertragen); am Nachmittag spricht der Trierer Universitäts-Präsident Prof. Dr. Michael Jäckel das „DomWort“ über „Corona und die Folgen“. Am gleichen Abend steht das Abendlob (übertragen) im Zeichen des Gedenkens an die Menschen, die infolge der Corona-Pandemie verstorben sind.

 

Während der Woche gestalten unterschiedliche Gruppen die Gebetszeiten und Gottesdienste mit und machen Online-Angebote etwa für Pfarrsekretärinnen oder die Kindertagesstätten, für Ehejubilare, Ordensgemeinschaften oder zu den Themenfelder Prävention oder Schöpfungsgerechtigkeit.

 

Der Jugendtag am Samstag, 24. April findet komplett digital statt, während die Engagierten in der Bolivienpartnerschaft zu einem Gottesdienst um 14 Uhr zusammenkommen. Einen etwas anderen Gottesdienst mit Pop-Musik kann man ab 18 Uhr mit der „MusikKircheLive“ erleben, entweder im

Dom oder digital. Ebenfalls um 18 Uhr beginnt das bundesweite „24-Stunden-Gebet“ um geistliche Berufe in der Liebfrauenkirche und digital. Am Sonntag, 25. April, empfangen Erwachsene das Sakrament der Firmung, bevor die Heilig-Rock-Tage um 18 Uhr mit der Vesper (übertragen) abschließen.

 

Das komplette Programm mit allen Veranstaltungen, ob präsent oder digital, ist unter

www.heilig-rock-tage.de zu finden.

 

Herausgegeben von der Bischöflichen Pressestelle Trier

Abdruck und Auswertung honorarfrei; Verantwortlich: Judith Rupp, Redaktion: Simone Bastreri, Inge Hülpes, Judith Rupp

Mustorstraße 2, 54290 Trier, Fon 0651-7105-268, Fax 0651-7105-511, E-Mail: biptrier@bistum-trier.de

Texte sind abrufbar im Internet: www.presse.bistum-trier.de

Gedankensplitter III zum Josefsjahr – „Vater im Erbarmen“

von Kooperator Moritz Neufang

Josef erlebte mit, wie Jesus heranwuchs und Tag für Tag an Weisheit zunahm und bei Gott und den Menschen Gefallen fand (vgl. Lk 2,52). Wie es der Herr mit Israel tat, so brachte Josef Jesus das Gehen bei und nahm ihn auf seine Arme. Er war für ihn wie ein Vater, der sein Kind an seine Wange hebt, sich ihm zuneigt und ihm zu essen gibt (vgl. Hos 11,3-4). Jesus erlebte an Josef Gottes Barmherzigkeit: „Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten“ (Ps 103,13). Sicher wird Josef in der Synagoge während des Psalmengebets wiederholt gehört haben, dass der Gott Israels ein barmherziger Gott ist, der gut zu allen ist und dessen Erbarmen über all seinen Werken waltet (vgl. Ps 145,9). Die Heilsgeschichte erfüllt sich „gegen alle Hoffnung […] voll Hoffnung“ (Röm 4,18) durch unsere Schwachheit hindurch. Allzu oft denken wir, dass Gott sich nur auf unsere guten und starken Seiten verlässt, während sich in Wirklichkeit die meisten seiner Pläne durch und trotz unserer Schwachheit realisieren. Eben das lässt den heiligen Paulus sagen: „Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet“ (2 Kor 12,7-9). Wenn dies die Perspektive der Heilsökonomie ist, müssen wir lernen, unsere Schwachheit mit tiefem Erbarmen anzunehmen. Der Böse lässt uns verächtlich auf unsere Schwachheit blicken, während der Heilige Geist sie voll Erbarmen ans Tageslicht bringt. Die Sanftmut ist der beste Weg, um mit dem Schwachen in uns umzugehen. Der ausgestreckte Zeigefinger und die Verurteilungen, die wir anderen gegenüber an den Tag legen, sind oft ein Zeichen unserer Unfähigkeit, unsere eigene Schwäche, unsere eigene Zerbrechlichkeit innerlich anzunehmen. Nur die Sanftmut wird uns vor dem Treiben des Anklägers bewahren (vgl. Offb 12,10). Aus diesem Grund ist es wichtig, der Barmherzigkeit Gottes zu begegnen, insbesondere im Sakrament der Versöhnung, und eine Erfahrung von Wahrheit und Sanftmut zu machen. Paradoxerweise kann uns auch der Böse die Wahrheit sagen, aber wenn er dies tut, dann nur, um uns zu verurteilen. Wir wissen jedoch, dass die Wahrheit, die von Gott kommt, uns nicht verurteilt, sondern aufnimmt, umarmt, unterstützt und vergibt. Die Wahrheit zeigt sich uns immer wie der barmherzige Vater im Gleichnis (vgl. Lk 15,11-32): Sie kommt uns entgegen, sie gibt uns unsere Würde zurück, sie richtet uns wieder auf, sie veranstaltet ein Fest für uns, denn „dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (V. 24). Auch durch Josefs Besorgnis hindurch verwirklicht sich der Wille Gottes, seine Geschichte, sein Plan. So lehrt uns Josef, dass der Glaube an Gott auch bedeutet, daran zu glauben, dass dieser selbst durch unsere Ängste, unsere Zerbrechlichkeit und unsere Schwäche wirken kann. Und er lehrt uns, dass wir uns inmitten der Stürme des Lebens nicht davor fürchten müssen, das Ruder unseres Bootes Gott zu überlassen. Manchmal wollen wir alles kontrollieren, aber er hat alles wesentlich umfassender im Blick.

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Momente der Schwachheit sind uns allen vertraut und bekannt, auch wenn wir uns nach außen hin einigermaßen stark und souverän, vielleicht auch professionell empfinden. Denn es muss ja im Leben irgendwie weitergehen. Weiterkommen, Fortschritt oder einfach das Gefühl von Friede und Ausgeglichenheit stehen dem Erleben von Schwachheit und Verletzlichkeit zutiefst entgegen. Die Tugend des Erbarmenden, die der Papst dem heiligen Josef zuschreibt, verlangt die Fähigkeit, nicht einfach um jeden Preis weiterzumachen, Fortschritt zu erzielen und unangenehmen Situationen elegant auszuweichen. Der Erbarmende muss innehalten können, die Situation dessen wahrnehmen, dem barmherzige Zuwendung geschenkt werden soll. Und besonders auf die für sich komfortablere Situation verzichten: womöglich Recht zu haben oder darauf zu bestehen, einen Vorteil einfahren, Genugtuung nach einer Auseinandersetzung zu erleben. Erbarmen verzichtet immer auf die Macht der Überlegenheit, verzichtet auf den Geltungsanspruch des eigenen Rechts. Nicht nur zum Schein oder aus Konvention, sondern im Sinne einer Herzenssache. Bin ich in Erfahrungen von Schwachheit mit mir selbst neben vielleicht berechtigter Selbstkritik auch gnädig gewesen? Vertraue ich mich Gott in solchen Momenten an? Kann ich zugesagte Vergebung, Momente des Erbarmens, die ich an mir erfahren durfte, wirklich aus vollem Herzen annehmen? Was bedeutet mir die Weisung Jesu: „Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet.“ (Mt 7,1f.)?

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Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

Zur Fastenzeit

Für viele Menschen ist besonders der Übergang zwischen den Faschingstagen und der Fastenzeit ein großer Bruch. Wie wenn man aus einer Welt in eine völlig andere Welt eintritt. Diese Welten könnten unterschiedlicher kaum sein: das ausgelassene Feiern, das bunte Treiben in den Karnevalshochburgen und dann Menschen, die sich vor Ostern mit mehr oder weniger Erfolg versuchen, sich einen Verzicht aufzuerlegen. In diesem Jahr ist dieser Bruch kaum zu spüren, da wir seit gut einem Jahr bereits aufgrund der Corona-Pandemie auf vieles Gewohnte verzichten müssen. Beiden Welten, der des Feierns und der des nüch-ternen Fastens, geht es um das Mensch sein. Wir haben Pläne, erfinden das Leben manchmal neu, spüren Brüche und Unzulänglichkeiten, nehmen uns und andere dann doch nicht so ernst und können vielleicht sogar über uns selber lachen. Im Buch Genesis entwirft Gott den Menschen, er formt ihn aus dem Ackerboden. Der Bruch entsteht dort, wo menschliche Entwürfe vom Leben dem Entwurf Gottes so zuwiderlaufen, dass es mit einem „Schwamm drüber“ oder „Darüber lachen wir noch heute“ nicht mehr geht. Ulrich Lüke bezeichnet die Fastenzeit in seinem Buch „Einladung ins Christentum“ als „eine Art Trainingslager der Menschlichkeit“. Dazu gehören für ihn drei Trainingseinheiten: Authentizität (Sei du selbst, denn so sieht dich Gott), Solidarität (Spare Zeit, Geld und Zuwen-dung und investiere sie für andere), und Spiritualität (Finde Trost, Ermutigung und Hoffnung bei Gott und definiere dein Ziel neu). Beides – Feiern und Fasten – sind sich gar nicht so fremd, wie es scheint: es geht um das Leben. Lebensfreude und Suche nach Er-neuerung gehören zusammen. Derzeit ist die Corona-Krise unser „Trainingslager“. Und selbst wenn wir es als unfreiwillig aufgezwungene Übung sehen, gilt für uns als Christen immer die Einla-dung Gottes: uns und den Mitmenschen die Fülle des Lebens neu zu öffnen. Eine wirkliche Investition in die Lebensfreude.

Kooperator Moritz Neufang

Passionskrippe Rieden

Auch in diesem Jahr ist die Passionskrippe in der Kirche St. Hubertus in Rieden am Josefs-Altar augebaut. Diese kann bis zum 17.04.2021 besichtigt werden.

Gedankensplitter II zum Josefsjahr – „Geliebter Vater“

von Kooperator Moritz Neufang

Die Bedeutung des heiligen Josef besteht darin, dass er der Bräutigam Marias und der Nährvater Jesu war. Als solcher stellte er sich in den Dienst des „allgemeinen Erlösungswerks“, wie der heilige Johannes Chrysostomus sagt. Der heilige Paul VI. stellt fest, dass seine Vaterschaft sich konkret darin ausdrückte, dass er „sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat; dass er die ihm rechtmäßig zustehende Autorität über die heilige Familie dazu benützt hat, um sich selbst, sein Leben und seine Arbeit ganz ihr hinzugeben; dass er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Darbringung seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des seinem Haus entsprossenen Messias gestellt hat“. Aufgrund dieser seiner Rolle in der Heilsgeschichte wurde der heilige Josef zu einem Vater, der von den Christen seit jeher geliebt wurde. Dies sieht man daran, dass ihm weltweit zahlreiche Kirchen geweiht wurden, dass viele Ordensgemeinschaften, Bruderschaften und kirchliche Gruppen von seinem Geist inspiriert sind und seinen Namen tragen und dass ihm zu Ehren seit Jahrhunderten verschiedene religiöse Bräuche gewidmet sind. Viele heilige Männer und Frauen verehrten ihn leidenschaftlich, wie etwa Theresia von Avila, die ihn zu ihrem Anwalt und Fürsprecher erkoren hatte, sich ihm vielfach anvertraute und alle Gnaden erhielt, die sie von ihm erbat; ermutigt durch ihre eigene Erfahrung, brachte die Heilige auch andere dazu, ihn zu verehren. In jedem Gebetbuch finden sich einige Gebete zum heiligen Josef. Jeden Mittwoch und vor allem während des gesamten Monats März, der traditionell ihm gewidmet ist, werden besondere Bittgebete an ihn gerichtet. Das Vertrauen des Volkes in den heiligen Josef ist in dem Ausdruck „Ite ad Joseph“ zusammengefasst, der sich auf die Zeit der Hungersnot in Ägypten bezieht, als das Volk den Pharao um Brot bat und er antwortete: „Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt!“ (Gen 41,55). Das war Josef, der Sohn Jakobs, der aus Neid von seinen Brüdern verkauft wurde (vgl. Gen 37,11-28) und der – nach der biblischen Erzählung – später Vizekönig von Ägypten wurde (vgl. Gen 41,41-44). Als Nachkomme Davids (vgl. Mt 1,16.20), aus dessen Wurzel Jesus als Spross hervorgehen sollte, wie der Prophet Natan David verheißen hatte (vgl. 2 Sam 7), und als Bräutigam der Maria von Nazaret stellt der heilige Josef eine Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament dar.

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Im Nachdenken über die Vaterschaft des hl. Josef nennt der Papst in seinem Schreiben zum Josefsjahr als Erstes den Aspekt des „geliebten Vaters“ und begründet diese Gedanken damit, dass Josef sein Leben und seine Vaterschaft nicht als seine persönliche Leistung oder als sein Eigentum verstanden hat, vielmehr sah er in seiner Rolle einen Dienst an der Menschwerdung Jesu, des Erlösers. In der großen Spannung zwischen Autorität, Verantwortung für die Familie und dem Dienst an Gottes Vorsehung spielte sich sein Leben ab. So wird auch heute noch geistliche Vaterschaft/Mutterschaft als Rückbindung an die Zusage Gottes verstanden, dass er uns im Mitmensch begegnen will, und dass seine Verheißungen mittels menschlicher Lebenswirklichkeit ihre Wege finden. In der Begleitung und dem Rat, aber auch in der kritischen Betrachtung durch Dritte kann uns für unser Leben Hilfe erwachsen. Wo bin ich für Menschen Ratgeber und Helfer? Wem kann ich mich vorbehaltlos anvertrauen? Bin ich bereit, die Einschätzung, den Rat eines Lebensbegleiters anzunehmen, auch wenn sie mich hinterfragt?

 

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Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

Gedankensplitter zum Josefsjahr

von Kooperator Moritz Neufang

Mit väterlichem Herzen liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien „der Sohn Josefs“ genannt wird. Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas, die seine Gestalt herausgestellt haben, erzählen nicht viel, aber doch genug, dass deutlich wird, auf welche Weise Josef Vater war und welche Sendung ihm die Vorsehung anvertraut hatte.

Wir wissen, dass er ein einfacher Zimmermann war (vgl. Mt 13,55), der Verlobte Marias (vgl. Mt 1,18; Lk 1,27); er war „gerecht“ (Mt 1,19), allzeit bereit, Gottes Willen zu tun, der sich ihm im Gesetz (vgl. Lk 2, 22.27.39) und durch vier Träume (vgl. Mt 1,20; 2,13.19.22) kundtat. Nach einer langen und beschwerlichen Reise von Nazaret nach Betlehem war er zugegen, als der Messias in einem Stall geboren wurde, weil anderswo „kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Er war Zeuge der Anbetung der Hirten (vgl. Lk 2,8-20) und der Sterndeuter (vgl. Mt 2,1-12), welche das Volk Israel bzw. die Heidenvölker repräsentierten.

Er hatte den Mut, vor dem Gesetz die Rolle des Vaters Jesu zu übernehmen, und er gab ihm den vom Engel geoffenbarten Namen: „Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21). Einer Person oder einer Sache einen Namen zu geben bedeutete bei den alten Völkern bekanntlich die Erlangung einer Zugehörigkeit, so wie Adam es nach dem Bericht der Genesis tat (vgl. 2,19-20).

Gemeinsam mit Maria stellte Josef vierzig Tage nach der Geburt im Tempel das Kind dem Herrn dar und hörte mit Staunen die Prophezeiung des Simeon über Jesus und Maria (vgl. Lk 2,22-35). Um Jesus vor Herodes zu beschützen, hielt er sich als Fremder in Ägypten auf (vgl. Mt 2,13-18). Nach seiner Rückkehr in die Heimat lebte er in der Verborgenheit des kleinen unbekannten Dorfes Nazaret in Galiläa – von wo man sich keinen Propheten und auch sonst nichts Gutes erwartete (vgl. Joh 7,52; 1,46) – weit entfernt sowohl von Betlehem, seiner Geburtsstadt, als auch von Jerusalem, wo der Tempel stand. Als sie just auf einer Wallfahrt nach Jerusalem den zwölfjährigen Jesus verloren hatten, suchten Josef und Maria ihn voller Sorge und fanden ihn schließlich im Tempel wieder, wo er mit den Gesetzeslehrern diskutierte (vgl. Lk 2,41-50).

Nach Maria, der Mutter Gottes, nimmt kein Heiliger so viel Platz im päpstlichen Lehramt ein wie Josef, ihr Bräutigam. Meine Vorgänger haben die Botschaft, die in den wenigen von den Evangelien überlieferten Angaben enthalten ist, vertieft, um seine zentrale Rolle in der Heilsgeschichte deutlicher hervorzuheben. Der selige Pius IX. erklärte ihn zum „Patron der katholischen Kirche“, der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII. ernannte ihn zum „Patron der Arbeiter“, und der heilige Johannes Paul II. bezeichnete ihn als „Beschützer des Erlösers“. Das gläubige Volk ruft ihn als Fürsprecher um eine gute Sterbestunde an. (…)

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Mit diesen Zeilen beginnt Papst Franziskus sein Apostolisches Schreiben „Patris Corde“ („Mit väterlichem Herzen“), mit dem er ein Jahr des Glaubens der Gestalt des hl. Josef widmet. Er lädt uns ein, uns dieser Gestalt im Glauben anzunähern und sie uns zum Freund zu machen. In seinen ersten Worten stellt der Papst den hl. Josef vor. Mir fällt beim Lesen auf, wie viele Seiten und Lebensstationen der Papst beim ihm entdeckt und in Erinnerung ruft. Manches umschreibt auf den ersten Blick nur eine Lebenssituation (Verlobter, Zimmermann als Beruf), die sich auch ändern kann, bei anderen (Vater, Bräutigam, Fremder in Ägypten) ahnen wir eine tiefe Bedeutung mit zum Teil existentiellen Konsequenzen für das eigene Leben. Josef steht mitten im Leben, in seinen Herausforderungen, auch in vielem, was er erst mühsam an sich heranlassen muss. In dieser nachweihnachtlichen Zeit werden wir mit der Gestalt des hl. Josef daran erinnert, dass uns die Menschwerdung Jesu nicht nur als Geschenk des Glaubens, sondern auch als Auftrag für das eigene Leben anvertraut ist, uns selbst gegenüber dem Sohn Gottes zu erklären. In welchem Verhältnis stehe ich zu Jesus? Welche Geschichte habe ich schon mit ihm erlebt? Welchen Dienst an Gottes gutem Werk kann ich jetzt in meiner Lebenssituation tun?

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Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.