Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Lebendiger Adventskalender im Großformat

 

Auch in diesem Jahr möchten wir einen Pfarrgemeinde-Adventskalender im „Großformat“ gestalten.

Zum Umsetzen dieser Idee brauchen wir 23 Familien/Mitglieder der Pfarrgemeinde, die für je einen Adventstag ein Fenster ihres Hauses oder Ihrer Wohnung gestalten.

Das Fenster sollte gut sichtbar für alle sein, kreativ mit einem Adventsmotiv und des zugeteilten Datums ausgeschmückt werden. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn das Adventsfenster in der Dunkelheit leuchtet.

An jedem Tag wird ein Türchen (geschmücktes Fenster) geöffnet. Es wäre schön, wenn diese Aktion auch in den Filialen der Pfarrei mitgetragen würde. Damit die Fenster von möglichst vielen „gefunden und gesehen“ werden, veröffentlichen wir diese mit den nötigen Angaben im Internet auf unserer Homepage und in der Olbrück-Rundschau. Bitte geben Sie an, ob Ihre Anschrift mit veröffentlicht werden darf. Ansonsten erscheint auf der Homepage nur der Straßennamen.

Das 24.ste „Türchen“ wird die große Krippe in der Pfarrkirche sein.

Wer mitmachen möchte kann sich im Pfarrbüro melden unter der Telefonnummer 02655/1084 oder per E-Mail unter pfarramt-kempenich@t-online.de. Wir vereinbaren dann mit Ihnen ein Datum für Ihr „Adventsfenster“.

Gedankensplitter VIII zum Josefsjahr – „Vater im Schatten“

von Pfarrer Moritz Neufang

In seinem Buch „Der Schatten des Vaters“ erzählte der polnische Schriftsteller Jan Dobraczyński in Romanform das Leben des heiligen Josef. Mit dem eindrucksvollen Bild des Schattens umreißt er die Gestalt Josefs, der in Bezug auf Jesus der irdische Schatten des himmlischen Vaters ist. Er behütet und beschützt ihn, er weicht nicht von ihm und folgt seinen Schritten. Denken wir an das, was Mose dem Volk Israel in Erinnerung ruft: „In der Wüste [...] hat der Herr, dein Gott, dich auf dem ganzen Weg […] getragen, wie ein Mann sein Kind trägt“ (Dtn 1,31). So hat Josef sein ganzes Leben lang die Vaterschaft ausgeübt. Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man. Und man wird zum Vater nicht einfach dadurch, dass man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um es kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissem Sinne Vaterschaft aus. In der Gesellschaft unserer Zeit scheinen die Kinder oft vaterlos zu sein. Auch die Kirche von heute braucht Väter. Die Mahnung, die der heilige Paulus an die Korinther richtet, bleibt immer aktuell: „Hättet ihr nämlich auch unzählige Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter“ (1 Kor 4,15); und jeder Priester oder Bischof sollte wie der Apostel hinzufügen können: „In Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt“ (ebd.). Und zu den Galatern sagt Paulus: „Meine Kinder, für die ich von Neuem Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt annimmt“ (4,19). Vater zu sein bedeutet, das Kind an die Erfahrung des Lebens, an die Wirklichkeit heranzuführen. Nicht, um es festzuhalten, nicht, um es einzusperren, nicht, um es zu besitzen, sondern um es zu Entscheidungen, zur Freiheit, zum Aufbruch zu befähigen. Vielleicht aus diesem Grund spricht die Tradition Josef nicht nur als Vater an, sondern fügt hier noch das Wort „keusch“ hinzu. Dies ist nicht eine rein affektive Angabe, sondern drückt eine Haltung aus, die man als das Gegenteil von „besitzergreifend“ bezeichnen könnte. Keuschheit ist die Freiheit von Besitz in allen Lebensbereichen. Nur wenn eine Liebe keusch ist, ist sie wirklich Liebe. Die Liebe, die besitzen will, wird am Ende immer gefährlich, sie nimmt gefangen, erstickt und macht unglücklich. Gott selbst hat den Menschen mit keuscher Liebe geliebt und ihm die Freiheit gelassen, Fehler zu machen und sich gegen ihn zu stellen. Die Logik der Liebe ist immer eine Logik der Freiheit, und Josef war in der Lage, in außerordentlicher Freiheit zu lieben. Er hat sich nie selbst in den Mittelpunkt gestellt. Er verstand es, zur Seite zu treten und Maria und Jesus zur Mitte seines Lebens zu machen. Josefs Glück gründet sich nicht auf die Logik der Selbstaufopferung, sondern der Selbsthingabe. Man nimmt bei diesem Mann nie Frustration wahr, sondern nur Vertrauen. Sein beharrliches Schweigen ist nicht Ausdruck der Klage, sondern immer konkreten Vertrauens. Die Welt braucht Väter, Despoten aber lehnt sie ab, also diejenigen, die besitzergreifend sind, um ihre eigene Leere zu füllen; sie lehnt die ab, die Autorität mit Autoritarismus verwechseln, Dienst mit Unterwürfigkeit, Auseinandersetzung mit Unterdrückung, Nächstenliebe mit übertriebener Fürsorge, Stärke mit Zerstörung. Jede wahre Berufung kommt aus der Selbsthingabe, die die reifere Form des bloßen Opfers ist. Auch im Priestertum und im geweihten Leben ist diese Art von Reife erforderlich. Dort, wo eine eheliche, zölibatäre oder jungfräuliche Berufung nicht die Reife der Selbsthingabe erreicht und allein bei der Logik des Opfers stehen bleibt, wird sie kaum zu einem Zeichen für die Schönheit und die Freude der Liebe werden, sondern womöglich den Eindruck von Unglück, Traurigkeit und Frustration erwecken. Eine Vaterschaft, die der Versuchung widersteht, das Leben der Kinder zu leben, eröffnet immer neue Räume. Jedes Kind trägt ein Geheimnis in sich, etwas noch nie Dagewesenes, das nur mit Hilfe eines Vaters zur Entfaltung gebracht werden kann, der seine Freiheit respektiert; eines Vaters, der sich bewusst ist, dass sein erzieherisches Handeln erst dann zum Ziel kommt und dass er erst dann sein Vatersein ganz lebt, wenn er sich „nutzlos“ gemacht hat, wenn er sieht, dass das Kind selbständig wird und allein auf den Pfaden des Lebens geht, wenn er sich in die Situation Josefs versetzt, der immer gewusst hat, dass das Kind nicht seines war, sondern einfach seiner Obhut anvertraut worden war. Im Grunde ist es das, was Jesus zu verstehen gibt, wenn er sagt: „Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel“ (Mt 23,9).Unter allen Umständen müssen wir bei der Ausübung von Vaterschaft immer darauf achten, dass sie nie besitzergreifend ist, sondern zeichenhaft auf eine höhere Vaterschaft verweist. In gewisser Weise sind wir alle immer in Josefs Lage: Wir sind „Schatten“ des einen Vaters im Himmel, der seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte (vgl. Mt 5,45); und wir sind „Schatten“ in der Nachfolge des Sohnes.

---

Das Leben des hl. Josef verleiht dem Vatersein etwas sehr Schönes, nämlich den Charakter der Berufung. Der vielleicht manchmal sehr mechanische Alltag des Elternseins erschöpft sich nicht im Durchleben des eigenen Terminkalenders und derer der Kinder, sondern soll geöffnet werden für die beglückende Erfahrung, dass die Lebensweitergabe, wie sie am Anfang geschehen war, im gelingenden Leben, das die Kinder mehr und mehr selbst gestalten, vollendet wird. Die Kinder zu führen, zu begleiten und ihnen auch im Erwachsenenalter noch immer zur Seite stehen zu können, bedeutet paradoxerweise aber auch die Erfahrung, in den Schatten zu treten. Nicht der Besitz der Kinder, nicht das Verfügen über sie, sondern selbst neu Empfangende dessen zu sein, was die Kinder mit mir als Vater oder Mutter teilen. Eine Dimension, die dem Papst im Blick auf das Lebenswerk des hl. Josef sehr wichtig ist. Er bringt sie sehr treffend mit dem Begriff der Keuschheit in Verbindung, die Grundhaltung also, sich selbst und das eigene Verlangen nicht zum Mittelpunkt des Lebens zu machen, sondern sein Leben hinzugeben, um es neu zu empfangen. So bleibt die Vaterschaft des hl. Josef nichts Abstraktes, kein Nischenphänomen, sondern kann auch heute konkret gelebt werden.

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

 

Hochwasser 2021

Diese Spendenkonten sind zur Nothilfe eingerichtet:

Spendenkonto von Bistum und Caritas
IBAN:  DE43 3706 0193 3000 6661 21
BIC: GENODED1PAX
Stichwort "Hochwasser 2021“

Spendenkonto Caritas Stiftung Menschen in Not
IBAN: DE43 3706 0193 3017 0010 18
BIC: GENODED1PAX
Stichwort "Hochwasser 2021“

Malteser Hilfsdienst e.V.
IBAN: DE 1037 0601 2012 0120 0012
S.W.I.F.T.: GENODED 1PA7
Stichwort: „Nothilfe in Deutschland“

Caritas hilft Betroffenen - auch finanziell

Hilfesuchende aus der Region Ahrweiler können sich wenden an den Caritasverband Ahrweiler, Tel. 02641 / 75 98 60 oder 
Caritasverband Mayen, 02651 / 9 86 90.

Hilfesuchende aus der Region Eifel können sich wenden an
Caritasverband Gerolstein, Tel. 06591 / 94 92 00
Caritasverband Bitburg, Tel. 06561 / 9 67 10
Caritasverband Prüm, Tel. 06551 / 97 10 90
Caritasverband Daun, Tel. 06592 / 9 57 30

Gedankensplitter VII zum Josefsjahr – „Vater und Arbeiter“

von Pfarrer Moritz Neufang

Ein Aspekt, der den heiligen Josef auszeichnet und der seit der Zeit der ersten Sozialenzyklika „Rerum novarum“ von Leo XIII. hervorgehoben wurde, ist sein Bezug zur Arbeit. Der heilige Josef war ein Zimmermann, der ehrlich arbeitete, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Von ihm lernte Jesus, welch ein Wert, welch eine Würde und welch eine Freude es bedeutet, das Brot zu essen, das die Frucht eigener Arbeit ist. In dieser unserer Zeit, in der die Arbeit wieder zu einem dringenden sozialen Thema geworden zu sein scheint und die Arbeitslosigkeit manchmal drastische Ausmaße annimmt –  auch in Ländern, in denen seit Jahrzehnten ein gewisser Wohlstand herrscht –, ist es notwendig, die Bedeutung einer Arbeit, die Würde verleiht, wieder ganz neu verstehen zu lernen.  Unser Heiliger ist dafür Vorbild und Schutzpatron. Die Arbeit wird zur Teilnahme am Erlösungswerk selbst, sie wird zu einer Gelegenheit, das Kommen des Reiches Gottes zu beschleunigen, die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sie in den Dienst der Gesellschaft und der Gemeinschaft zu stellen; die Arbeit wird nicht nur zu einer Gelegenheit der eigenen Verwirklichung, sondern vor allem auch für den ursprünglichen Kern der Gesellschaft, die Familie. Eine von Arbeitslosigkeit betroffene Familie ist Schwierigkeiten, Spannungen, Brüchen, ja der verzweifelten und weiter in die Verzweiflung führenden Versuchung der Auflösung stärker ausgesetzt. Wie können wir über die Menschenwürde sprechen, ohne uns dafür einzusetzen, dass alle und jeder Einzelne eine Chance auf einen würdigen Lebensunterhalt haben? Der Mensch, der arbeitet, egal welcher Aufgabe er nachgeht, arbeitet mit Gott selbst zusammen und wird ein wenig zu einem Schöpfer der Welt, die uns umgibt. Die Krise unserer Zeit, die eine wirtschaftliche, soziale, kulturelle und geistliche Krise ist, mag allen ein Aufruf sein, den Wert, die Bedeutung und die Notwendigkeit der Arbeit wieder neu zu entdecken, um eine neue „Normalität“ zu begründen, in der niemand ausgeschlossen ist. Die Arbeit des heiligen Josef erinnert uns daran, dass der menschgewordene Gott selbst die Arbeit nicht verschmähte. Die Arbeitslosigkeit, von der viele Brüder und Schwestern betroffen sind und die in jüngster Zeit aufgrund der Covid-19-Pandemie zugenommen hat, muss zum Anlass werden, unsere Prioritäten zu überprüfen. Bitten wir den heiligen Josef, den Arbeiter, dass wir einmal verbindlich sagen können: Kein junger Mensch, keine Person, keine Familie ohne Arbeit!

---

Besonders in Trauergesprächen begegnet mir dieses Motiv immer wieder, wenn die Angehörigen über ihre Verstorbenen erzählen: er oder sie hat ihr Leben lang gearbeitet. Die Arbeit war sein Leben. Wenn sie nicht mehr hätte „was schaffen“ können, wäre sie unglücklich geworden. Als junger Mensch merke ich, dass ich ein anderes Verhältnis zu dem Thema habe. Generationen vor uns galt es oftmals, aus „nichts etwas zu machen“. Besonders die Erfahrung nach den Kriegsereignissen des 20. Jahrhunderts hat Menschen in eine Arbeitshaltung versetzt, die zu einer Lebenshaltung wurde. So wichtig, wie die Luft zum Atmen, so unersetzlich wie das tägliche Brot ist das tägliche Tun, oft körperlich anstrengend und stets kraftzehrend. Dieses Nichts war gewissermaßen aufgezwungen, keiner hatte sich das damals gewünscht oder ausgesucht. Heute ist die Ausgangslage eine ganz andere: wir sind in der Regel in „normalen Verhältnissen“ großgeworden, können uns das ein oder andere leisten und gönnen, haben bessere Lebensbedingungen. Arbeiten gehört nach wie vor dazu, doch man lebt in diesen Zeiten nicht mehr ausschließlich, um zu arbeiten. Es geht also nicht nur um das „arbeiten müssen“, sondern auch um die Freude am Beruf, in der Schule, in der Ausbildung. Vieles war uns selbstverständlich in einer bislang recht krisenarmen Zeit, das Bild des „Schuftens“ verblasste allmählich. Und dennoch, wie es der Papst beschreibt: die Probleme bleiben: Menschen finden keine Perspektive, in anderen Regionen der Erde arbeiten Menschen unter unwürdigen Bedingungen, können nicht ansatzweise von ihrer Arbeit leben. Auch bei uns tauchen immer wieder politische Diskussionen zur angemessenen Vergütung, zu Arbeitszeiten und -bedingungen und auch zur Rente auf. Die Corona-Pandemie und nicht zuletzt die verheerende Flutkatastrophe an der Ahr, direkt in unserer Nachbarschaft, machen uns deutlich, wie schnell sich die Dinge ändern können. Dass es ganz schnell gehen kann, dass wir nichts mehr tun können. Aufgebaute Existenzen, Lebenswerke und Früchte oft langjähriger Arbeit waren dahin. Wie im Krieg. Alles auf Anfang. Wir wissen auch als Christen, dass wir am Ball bleiben müssen. Wie gut, dass so viele in den vergangenen Wochen mit angepackt haben und das immer noch tun. Der 1. Mai ist noch heute der Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters.

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

Gedankensplitter VI zum Josefsjahr –„Vater mit kreativem Mut“

von Pfarrer Moritz Neufang

Wenn auch die erste Stufe je-der echten inneren Heilung darin besteht, die eigene Geschichte anzunehmen, das heißt, dem in uns Raum zu schaffen, was wir uns in unserem Leben nicht selbst ausgesucht haben, braucht es dennoch eine weitere wichtige Eigen-schaft: den kreativen Mut. Er entsteht vor allem dort, wo man auf Schwierigkeiten trifft. Wenn man vor einem Problem steht, kann man entweder aufhören und das Feld räumen, oder man kann es auf ir-gendeine Weise angehen. Manchmal sind es gerade die Schwierig-keiten, die bei jedem von uns Ressourcen zum Vorschein bringen, von denen wir nicht einmal dachten, dass wir sie besäßen.Beim Lesen der „Kindheitsevangelien“ stellt sich des Öfteren die Frage, warum Gott nicht direkt und klar eingeschritten ist. Aber Gott wirkt durch Ereignisse und Menschen. Josef ist der Mann, durch den Gott für die Anfänge der Erlösungsgeschichte Sorge trägt. Er ist das wahre „Wunder“, durch das Gott das Kind und seine Mutter rettet. Der Himmel greift ein, indem er auf den kreativen Mut dieses Mannes vertraut, der, als er bei der Ankunft in Betlehem keinen Ort findet, wo Maria gebären kann, einen Stall herrichtet und so bereitet, dass er für den in die Welt kommenden Sohn Gottes ein möglichst behaglicher Ort wird (vgl. Lk 2,6-7). Angesichts der drohenden Gefahr des Herodes, der das Kind töten will, wird Josef im Traum erneut gewarnt, das Kind zu beschützen, und so organisiert er mitten in der Nacht die Flucht nach Ägypten (vgl. Mt 2,13-14). Bei einer oberflächlichen Lektüre dieser Geschichten hat man immer den Ein-druck, dass die Welt den Starken und Mächtigen ausgeliefert ist, aber die „gute Nachricht“ des Evangeliums besteht darin zu zeigen,

wie Gott trotz der Arroganz und Gewalt der irdischen Herrscher immer einen Weg findet, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Auch unser Leben scheint manchmal starken Mächten ausgeliefert zu sein. Doch das Evangelium sagt uns, dass es Gottimmer gelingt, das zu retten, worauf es ankommt, vorausgesetzt, dass wir den gleichen kreativen Mut aufbringen wie der Zimmermann von Nazaret. Er ver-steht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut. Wenn Gott uns manchmal nicht zu helfen scheint, bedeutet das nicht, dass er uns im Stich gelassen hat, sondern dass er auf uns vertraut und auf das, was wir planen, entwickeln und finden können. Hierbei handelt es sich um denselben kreativen Mut, den die Freunde des Gelähmten bewiesen, als sie ihn, um ihn zu Jesus zu bringen, vom Dach herabließen (vgl. Lk 5,17-26). Die Kühnheit und Hartnäckig-keit dieser Freunde war durch keine Schwierigkeit aufzuhalten. Sie waren überzeugt, dass Jesus den Kranken heilen konnte. „Weil es ihnen aber wegen der Volksmenge nicht möglich war, ihn hineinzu-bringen, stiegen sie aufs Dach und ließen ihn durch die Ziegel auf dem Bett hinunter in die Mitte vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben“ (V. 19-20). Jesus erkennt den einfallsreichen Glauben, mit dem diese Männer versuchen, ihren kranken Freund zu ihm zu bringen.Das Evangelium gibt keine Auskunft über die Zeit, in der sich Maria und Josef und das Kind in Ägypten aufhielten. Sicherlich aber muss-ten sie essen, eine Bleibe und Arbeit finden. Es braucht nicht viel Phantasie, um das diesbezügliche Schweigen des Evangeliums zu füllen. Die Heilige Familie musste sich konkreten Problemen stellen wie alle anderen Familien, wie viele unserer Brüder und Schwestern Migranten, die auch heute noch aufgrund von Not und Hunger ge-zwungen sind, ihr Leben zu riskieren. In diesem Sinne glaube ich, dass der heilige Josef in der Tat ein besonderer Schutzpatron für all jene ist, die wegen Krieg, Hass, Verfolgung und Elend ihr Land ver-lassen müssen. Am Ende aller Szenen, in denen Josef eine wichtige Rolle spielt, vermerkt das Evangelium, dass er aufsteht, das Kind und seine Mutter mit sich nimmt und das tut, was Gott ihm befohlen hat (vgl. Mt 1,24; 2,14.21).

In der Tat sind Jesus und Maria, seine Mutter, der wertvollste Schatz unseres Glaubens. Im Heilsplan kann man den Sohn nicht von der Mutter trennen. Sie ging „den Pilgerweg des Glaubens. Ihre Verei-nigung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz“. Wir müssen uns immer fragen, ob wir Jesus und Maria, die auf geheimnisvolle Weise unserer Verantwortung, unserer Fürsorge, unserer Obhut an-vertraut sind, mit all unseren Kräften behüten. Der Sohn des All-mächtigen kommt als schwaches Kind in die Welt. Er macht sich von Josef abhängig, um verteidigt, geschützt, gepflegt und erzogen zu werden. Gott vertraut diesem Mann, ebenso wie Maria, die in Josef denjenigen findet, der nicht nur ihr Leben retten will, sondern der immer für sie und das Kind sorgen wird. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass der heilige Josef der Schutzpat-ron der Kirche ist, denn die Kirche ist die Ausdehnung des Leibes Christi in der Geschichte, und gleichzeitig ist in der Mutterschaft der Kirche die Mutterschaft Mariens angedeutet. Indem Josef die Kirche beschützt, beschützt er weiterhin das Kind und seine Mutter, und indem wir die Kirche lieben, lieben auch wir immerfort das Kind und seine Mutter. Eben dieses Kind wird einmal sagen: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). So ist jeder Bedürftige, jeder Arme, jeder Leidende, jeder Sterbende, jeder Fremde, jeder Gefangene, jeder Kranke „das Kind“, das Josef weiterhin beschützt. Deshalb wird der heilige Josef als Beschützer der Elenden, der Bedürftigen, der Verbannten, der Bedrängten, der Armen und der Sterbenden angerufen. Und deshalb kann die Kirche nicht umhin, in besonderer Weise die Geringsten zu lieben, weil Jesus für sie eine Vorliebe hatte und sich persönlich mit ihnen identifizierte. Von Josef müssen wir die gleiche Fürsorge und Verantwortung lernen: das Kind und seine Mutter zu lieben; die Sakramente und die Nächstenliebe zu lieben; die Kirche und die Armen zu lieben. Jede dieser Wirklichkeiten ist immer das Kind und seine Mutter.---

 

Nicht jeder würde von sich sagen, dass Kreativ sein seine Stärke ist. Ich beobachte zum Beispiel an mir selbst, dass ich gerne in geregel-ten Bahnen lebe und arbeite, nicht immer das Rad neu erfinden will und nicht ständig etwasNeues brauche, auch nicht in meinem Glau-bensleben. Umso mehr erinnert mich der heilige Josef daran, dass es aber möglicherweise auch auf einem Berufungsweg mit Gott Überra-schungen gibt, die möglicherweise unliebsam daherkommen, mich aus der Bahn des Gewohnten und Geliebten herauswerfen und plötz-lich von mir große Kreativität verlangt wird, um etwas aus der Situa-tion zu machen (die Corona-Pandemie hat uns hier manches ge-lehrt!). Man spürt, wie man unter Druck gerät und damit verbunden ist die Angst, nicht mehr weiterzukommen, zu scheitern, seiner Aufgabe letztlich nicht gerecht zu werden. Andere Menschen können damit besser umgehen und brauchen vielleicht sogar diesen „Kick“, um einen Sinn im Leben zu finden, für sie ist nichts schlimmer, als das gewöhnliche Leben in geregelten Bahnen, dass ihnen wie ein Gefängnis vorkommt, aus dem sie immer wieder ausbrechen wollen. Eine Impulsfrage für die kommende Zeit: Wo verorte ich mich ange-sichts des Beispiels, das Josef uns gibt?

- - -

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers

und Bräutigam der Jungfrau Maria.

Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,

auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,

bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,

und führe uns auf unserem Lebensweg.

Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,

und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

Gedankensplitter V zum Josefsjahr – „Vater im Annehmen“

von Kooperator Moritz Neufang

Josef nimmt Maria ohne irgendwelche Vorbedingungen an. Er vertraut auf die Worte des Engels. „Der Edelmut seines Herzens lässt ihn das, was er vom Gesetz gelernt hat, der Liebe unterordnen. Heute stellt sich Josef dieser Welt, in der die psychische, verbale und physische Gewalt gegenüber der Frau offenkundig ist, als Gestalt eines respektvollen und feinfühligen Mannes dar, der, obwohl er nicht im Besitz aller Informationen ist, sich zugunsten des guten Rufs, der Würde und des Lebens Marias entscheidet. Und in seinem Zweifel, wie er am besten handeln soll, half ihm Gott bei der Wahl mit dem Licht der Gnade für sein Urteil.“ (Zitat aus der Predigt des Papstes anlässlich einer Seligsprechung in Kolumbien im Jahr 2017) Oft geschehen in unserem Leben Dinge, deren Bedeutung wir nicht verstehen. Unsere erste Reaktion ist oft die der Enttäuschung und des Widerstandes. Josef lässt seine Überlegungen beiseite, um dem Raum zu geben, was geschieht. Wie rätselhaft es ihm auch erscheinen mag, er nimmt es an, übernimmt Verantwortung dafür und versöhnt sich mit seiner eigenen Geschichte. Wenn wir uns nicht mit unserer Geschichte versöhnen, werden wir auch nicht in der Lage sein, den nächsten Schritt zu tun, denn dann bleiben wir immer eine Geisel unserer Erwartungen und der daraus resultierenden Enttäuschungen. Das geistliche Leben, das Josef uns zeigt, ist nicht ein Weg, der erklärt, sondern ein Weg, der annimmt. Nur von dieser Annahme her, von dieser Versöhnung her können wir auch eine größere Geschichte, einen tieferen Sinn erahnen. Es scheint wie ein Widerhall der leidenschaftlichen Worte Ijobs, der auf die Forderung seiner Frau, sich gegen all das Böse aufzulehnen, das ihm widerfährt, antwortet: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ (Ijob 2,10). Josef ist kein passiv resignierter Mann. Er ist ein mutiger und starker Protagonist. Die Fähigkeit, etwas annehmen zu können, ist eine Weise, wie sich die Gabe der Stärke, die vom Heiligen Geist kommt, in unserem Leben offenbart. Nur der Herr kann uns die Kraft geben, das Leben so anzunehmen, wie es ist, und selbst dem, was darin widersprüchlich, unerwartet oder enttäuschend ist, Raum zu geben. Jesu Kommen in unsere Mitte ist ein Geschenk des Vaters, auf dass ein jeder sich mit seiner konkreten eigenen Geschichte versöhnen möge, auch wenn er sie nicht ganz versteht. Das, was Gott zu unserem Heiligen gesagt hat: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht“ (Mt 1,20), scheint er auch uns zu sagen: „Fürchtet euch nicht!“ Wir müssen unseren Ärger und unsere Enttäuschung ablegen und ohne weltliche Resignation, sondern mit hoffnungsvoller Kraft Platz machen für das, was wir nicht gewählt haben und was doch existiert. Das Leben auf diese Weise anzunehmen führt uns zu einem verborgenen Sinn. Das Leben eines jeden von uns kann auf wundersame Weise neu beginnen, wenn wir den Mut finden, es gemäß den Weisungen des Evangeliums zu leben. Und es spielt keine Rolle, ob alles schief gelaufen zu sein scheint und ob einige Dinge mittlerweile nicht mehr rückgängig zu machen sind. Gott kann Blumen zwischen den Felsen sprießen lassen. Auch wenn unser Herz uns verurteilt, Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles (vgl. 1 Joh 3,20). Hier geht es wieder um jenen christlichen Realismus, der nichts von dem, was existiert, wegwirft. In ihrer geheimnisvollen Unergründlichkeit und Vielschichtigkeit ist die Wirklichkeit Trägerin eines Sinns der Existenz mit ihren Lichtern und ihren Schatten. Deswegen kann der Apostel Paulus sagen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28). Und der heilige Augustinus fügt hinzu: „Auch das, was böse heißt (etiam illud quod malum dicitur)“. In dieser Gesamtperspektive gibt der Glaube jedem glücklichen oder traurigen Ereignis einen Sinn. Es liegt uns fern, zu meinen, „glauben“ bedeute, einfache vertröstende Lösungen zu finden. Der Glaube, den Christus uns gelehrt hat, ist vielmehr der Glaube, den wir am heiligen Josef sehen, der nicht nach Abkürzungen sucht, sondern dem, was ihm widerfährt, „mit offenen Augen“ begegnet und persönlich Verantwortung übernimmt. Die Annahmebereitschaft Josefs lädt uns ein, andere nicht auszuschließen, sondern sie so anzunehmen, wie sie sind, besonders die Schwachen, denn Gott erwählt das Schwache (vgl. 1 Kor 1,27), er ist ein „Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen“ (Ps 68,6) und gebietet uns, die Fremden zu lieben. Gerne stelle ich mir vor, dass die Haltung Josefs Jesus zum Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater inspiriert hat (vgl. Lk 15,11-32).

---

Ich empfinde diesen Abschnitt im Schreiben des Papstes als sehr tröstlich und ermutigend. Ich meine, dass die hier geschilderte Erfahrung – sprichwörtlich: „erstens kommt es anders, zweitens als du denkst“ – die allermeisten Menschen betrifft, einmal von wenigen Ausnahmen abgesehen, die es auch geben mag. Ich musste spontan beim Lesen dieser Zeilen an eine alte Dame denken, die mir persönlich aus meinem heimatlichen Umfeld im Saarland bekannt ist. Dort kam sie in Kriegszeiten zur Welt, war im einfachen, landwirtschaftlich geprägten Zuhause zeit ihres Lebens tätig und war sehr durch das Leben im Rhythmus der kirchlichen und dörflichen Ereignisse geprägt. In der Familie gab es einige geistliche Berufungen zum Priestertum, gleichwohl litt sie unter dem damals oft üblichen Verhalten der örtlich zuständigen Pfarrer, wie viele andere dieser Generation auch. Man kann sie als treue Seele bezeichnen, die ihren Weg gegen alle Widrigkeiten im Leben gegangen ist, und sich im Alter aus den Erträgen ihrer Obstbaumplantagen ein kleines Vermögen zum Leben aufgebaut hatte. Und doch waren die Gespräche mit ihr immer gleich. Sie sprach von der Ungerechtigkeit, die ihr zeitlebens widerfahren ist, den Krankheiten, an denen sie leidet, von den unerreichten Wünschen und Zielen. Sie verlor ihren Ehemann, ihr Sohn verstarb früh an Lungenkrebs. Letztlich war sie eine gebrochene Frau, die mit den Wendungen des Lebens nicht mehr fertig wurde und sich nicht mehr recht am Leben freuen konnte, sie wollte im Grunde genommen selbst nicht mehr leben. Schließlich ließ es nicht zu, ermutigt zu werden und aus ihrer Haltung auszubrechen, weiterzugehen, sich damit zu versöhnen. Zuletzt zerstritt sie sich mit ihrem Bruder, mit dem sie in Wohngemeinschaft lebte. Schließlich hörte ich von ihrem Tod, sie starb im November vergangenen Jahres in einem Pflegeheim an COVID-19, nachdem es im Zuge der Zweiten Welle dort einen Ausbruch der Krankheit gegeben hatte. Wir sollten im Leben nicht zu spät damit beginnen, den vom Papst beschriebenen Weg der Versöhnung zu gehen, damit auch zwischen den harten felsigen Abschnitten unseres Lebens neue Blumen wachsen können.

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

Gedankensplitter IV zum Josefsjahr – „Vater im Gehorsam“

von Kooperator Moritz Neufang

Wie Gott Maria seinen Heilsplan offenbarte, so offenbarte er ihn auch Josef; er tat dies durch Träume, die in der Bibel, wie bei allen alten Völkern, als einer der Wege angesehen wurden, durch die Gott seinen Willen kundtut. Josef ist angesichts der unerklärlichen Schwangerschaft Marias sehr besorgt: Er will sie nicht öffentlich „bloßstellen“, sondern beschließt, „sich in aller Stille von ihr zu trennen“ (Mt 1,19). Im ersten Traum hilft ihm der Engel, einen Ausweg aus seinem ernsten Dilemma zu finden: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,20-21). Unverzüglich erfolgte seine Antwort: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“ (Mt 1,24). Im Gehorsam überwand er sein Dilemma und rettete Maria. Im zweiten Traum gebietet der Engel Josef: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2,13). Josef gehorchte ohne zu zögern und ohne die Schwierigkeiten zu hinterfragen, auf die er stoßen würde: „Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes“ (Mt 2,14-15). In Ägypten wartete Josef zuversichtlich und geduldig mit der Rückkehr in sein Land, bis die versprochene Nachricht des Engels bei ihm eintraf. Als der göttliche Bote ihm in einem dritten Traum mitgeteilt hatte, dass diejenigen, die das Kind töten wollten, nun tot seien und ihm befohlen hatte, aufzustehen und das Kind und seine Mutter zu nehmen und in das Land Israel zurückzukehren (vgl. Mt 2,19-20), gehorchte er abermals ohne zu zögern: „Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel“ (Mt 2,21). Als Josef aber auf der Rückreise „hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte“ – und es ist dies das vierte Mal –, „zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder“ (Mt 2,22-23). Der Evangelist Lukas berichtet seinerseits, dass Josef die lange und beschwerliche Reise von Nazaret nach Betlehem auf sich nahm, um sich gemäß dem von Kaiser Augustus erlassenen Gesetz zur Volkszählung in seiner Heimatstadt eintragen zu lassen. Und unter eben diesen Umständen wurde Jesus geboren (vgl. Lk 2,1-7) und, wie alle anderen Kinder auch, ins Einwohnerverzeichnis des Reiches eingetragen. Der heilige Lukas legt insbesondere Wert darauf mitzuteilen, dass die Eltern Jesu alle Vorschriften des Gesetzes einhielten: die Riten der Beschneidung Jesu, der Reinigung Marias nach der Geburt und der Darbringung des Erstgeborenen an Gott (vgl. 2,21-24). In jeder Lebenslage vermochte Josef, sein „fiat“ zu sprechen, wie Maria bei der Verkündigung und Jesus in Getsemani. Als Familienoberhaupt brachte Josef Jesus bei, seinen Eltern zu gehorchen (vgl. Lk 2,51), wie es dem Gebot Gottes entspricht (vgl. Ex 20,12). In der Verborgenheit von Nazaret, in der Schule Josefs, lernte Jesus, den Willen des Vaters zu tun. Dieser Wille wurde zu seiner täglichen Speise (vgl. Joh 4,34). Auch im schwierigsten Augenblick seines Lebens, in Getsemani, zog er es vor, den Willen des Vaters zu tun und nicht seinen eigenen, und er war „gehorsam bis zum Tod [...] am Kreuz“ (Phil 2,8). Aus diesem Grund kommt der Verfasser des Hebräerbriefes zu dem Schluss, dass Jesus „durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt“ hat (5,8). All diese Ereignisse zeigen: Josef war „von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen: Auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich Diener des Heils“.

---

Auch heute erleben wir Unterdrückung und Leid, in besonders großem Maß in den großen Konflikten und Fragen unserer Zeit, denken wir nur an den gewaltsamen Umsturz in Myanmar, die Gewaltausbrüche in den USA, oder der schon so lange andauernde Konflikt in Syrien. Alle menschenmöglichen Untaten größten Ausmaßes wurden in der Vergangenheit und besonders von Verantwortlichen – so man ihrer habhaft wurde – mit dem Argument der Gehorsamsverpflichtung gegenüber einer Sache oder einer Person begründet und gerechtfertigt. Man kann sicher sagen, dass Geschichten menschlichen Versagens nicht neu sind und auch die Heilige Schrift erzählt beständig davon: Gott umwirbt den Menschen, erwählt das Volk Israel und verheißt Segen in Fülle, so es seinen Geboten treu ist. Die Untreue des Volkes Gottes führt letztlich immer zu Unheil und Leid aller Art – auch Josef weiß das. Inmitten dieser Wirklichkeit ereilt ihn „sein Ruf“, Jesus und Maria, seine Frau, zu schützen und das Wagnis des recht unbeständigen Lebens im Exil auf sich zu nehmen. Immer neu lässt er sich auf die Gegebenheiten ein, fragt nicht mehr nach, er erfüllt die Anweisungen in tiefer Liebe und dem Bewusstsein, dass er im Hören auf Gott, den Lebendigen, handelt. Der neutestamentliche Begriff des Gehorsams steht im Zusammenhang mit einer Entscheidung des Glaubens. Ein bedingungsloser Gehorsam, der nicht weiß und nicht danach fragt, wem er da gehorsam ist, ist für Christen keine Option. Gehorchen folgt aus dem Hören auf die Stimme des Herrn (vgl. etwa Ps 95). Auch jeder Gehorsam gegenüber Menschen muss sich auf das Evangelium des Herrn zurückführen lassen. Das heißt für mich: Ich lasse mich und mein Hiersein verwenden im Vertrauen darauf, dass mir von Gott dem Herrn alles zukommt, was ich zum Leben brauche, zuletzt auch Liebe, die Bestätigung, dass ich gewollt bin, dass mein Leben im Blick auf Gott einen tiefen Sinn empfängt.

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

 

Gedankensplitter III zum Josefsjahr – „Vater im Erbarmen“

von Kooperator Moritz Neufang

Josef erlebte mit, wie Jesus heranwuchs und Tag für Tag an Weisheit zunahm und bei Gott und den Menschen Gefallen fand (vgl. Lk 2,52). Wie es der Herr mit Israel tat, so brachte Josef Jesus das Gehen bei und nahm ihn auf seine Arme. Er war für ihn wie ein Vater, der sein Kind an seine Wange hebt, sich ihm zuneigt und ihm zu essen gibt (vgl. Hos 11,3-4). Jesus erlebte an Josef Gottes Barmherzigkeit: „Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten“ (Ps 103,13). Sicher wird Josef in der Synagoge während des Psalmengebets wiederholt gehört haben, dass der Gott Israels ein barmherziger Gott ist, der gut zu allen ist und dessen Erbarmen über all seinen Werken waltet (vgl. Ps 145,9). Die Heilsgeschichte erfüllt sich „gegen alle Hoffnung […] voll Hoffnung“ (Röm 4,18) durch unsere Schwachheit hindurch. Allzu oft denken wir, dass Gott sich nur auf unsere guten und starken Seiten verlässt, während sich in Wirklichkeit die meisten seiner Pläne durch und trotz unserer Schwachheit realisieren. Eben das lässt den heiligen Paulus sagen: „Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet“ (2 Kor 12,7-9). Wenn dies die Perspektive der Heilsökonomie ist, müssen wir lernen, unsere Schwachheit mit tiefem Erbarmen anzunehmen. Der Böse lässt uns verächtlich auf unsere Schwachheit blicken, während der Heilige Geist sie voll Erbarmen ans Tageslicht bringt. Die Sanftmut ist der beste Weg, um mit dem Schwachen in uns umzugehen. Der ausgestreckte Zeigefinger und die Verurteilungen, die wir anderen gegenüber an den Tag legen, sind oft ein Zeichen unserer Unfähigkeit, unsere eigene Schwäche, unsere eigene Zerbrechlichkeit innerlich anzunehmen. Nur die Sanftmut wird uns vor dem Treiben des Anklägers bewahren (vgl. Offb 12,10). Aus diesem Grund ist es wichtig, der Barmherzigkeit Gottes zu begegnen, insbesondere im Sakrament der Versöhnung, und eine Erfahrung von Wahrheit und Sanftmut zu machen. Paradoxerweise kann uns auch der Böse die Wahrheit sagen, aber wenn er dies tut, dann nur, um uns zu verurteilen. Wir wissen jedoch, dass die Wahrheit, die von Gott kommt, uns nicht verurteilt, sondern aufnimmt, umarmt, unterstützt und vergibt. Die Wahrheit zeigt sich uns immer wie der barmherzige Vater im Gleichnis (vgl. Lk 15,11-32): Sie kommt uns entgegen, sie gibt uns unsere Würde zurück, sie richtet uns wieder auf, sie veranstaltet ein Fest für uns, denn „dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (V. 24). Auch durch Josefs Besorgnis hindurch verwirklicht sich der Wille Gottes, seine Geschichte, sein Plan. So lehrt uns Josef, dass der Glaube an Gott auch bedeutet, daran zu glauben, dass dieser selbst durch unsere Ängste, unsere Zerbrechlichkeit und unsere Schwäche wirken kann. Und er lehrt uns, dass wir uns inmitten der Stürme des Lebens nicht davor fürchten müssen, das Ruder unseres Bootes Gott zu überlassen. Manchmal wollen wir alles kontrollieren, aber er hat alles wesentlich umfassender im Blick.

---

Momente der Schwachheit sind uns allen vertraut und bekannt, auch wenn wir uns nach außen hin einigermaßen stark und souverän, vielleicht auch professionell empfinden. Denn es muss ja im Leben irgendwie weitergehen. Weiterkommen, Fortschritt oder einfach das Gefühl von Friede und Ausgeglichenheit stehen dem Erleben von Schwachheit und Verletzlichkeit zutiefst entgegen. Die Tugend des Erbarmenden, die der Papst dem heiligen Josef zuschreibt, verlangt die Fähigkeit, nicht einfach um jeden Preis weiterzumachen, Fortschritt zu erzielen und unangenehmen Situationen elegant auszuweichen. Der Erbarmende muss innehalten können, die Situation dessen wahrnehmen, dem barmherzige Zuwendung geschenkt werden soll. Und besonders auf die für sich komfortablere Situation verzichten: womöglich Recht zu haben oder darauf zu bestehen, einen Vorteil einfahren, Genugtuung nach einer Auseinandersetzung zu erleben. Erbarmen verzichtet immer auf die Macht der Überlegenheit, verzichtet auf den Geltungsanspruch des eigenen Rechts. Nicht nur zum Schein oder aus Konvention, sondern im Sinne einer Herzenssache. Bin ich in Erfahrungen von Schwachheit mit mir selbst neben vielleicht berechtigter Selbstkritik auch gnädig gewesen? Vertraue ich mich Gott in solchen Momenten an? Kann ich zugesagte Vergebung, Momente des Erbarmens, die ich an mir erfahren durfte, wirklich aus vollem Herzen annehmen? Was bedeutet mir die Weisung Jesu: „Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet.“ (Mt 7,1f.)?

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

Gedankensplitter II zum Josefsjahr – „Geliebter Vater“

von Kooperator Moritz Neufang

Die Bedeutung des heiligen Josef besteht darin, dass er der Bräutigam Marias und der Nährvater Jesu war. Als solcher stellte er sich in den Dienst des „allgemeinen Erlösungswerks“, wie der heilige Johannes Chrysostomus sagt. Der heilige Paul VI. stellt fest, dass seine Vaterschaft sich konkret darin ausdrückte, dass er „sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat; dass er die ihm rechtmäßig zustehende Autorität über die heilige Familie dazu benützt hat, um sich selbst, sein Leben und seine Arbeit ganz ihr hinzugeben; dass er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Darbringung seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des seinem Haus entsprossenen Messias gestellt hat“. Aufgrund dieser seiner Rolle in der Heilsgeschichte wurde der heilige Josef zu einem Vater, der von den Christen seit jeher geliebt wurde. Dies sieht man daran, dass ihm weltweit zahlreiche Kirchen geweiht wurden, dass viele Ordensgemeinschaften, Bruderschaften und kirchliche Gruppen von seinem Geist inspiriert sind und seinen Namen tragen und dass ihm zu Ehren seit Jahrhunderten verschiedene religiöse Bräuche gewidmet sind. Viele heilige Männer und Frauen verehrten ihn leidenschaftlich, wie etwa Theresia von Avila, die ihn zu ihrem Anwalt und Fürsprecher erkoren hatte, sich ihm vielfach anvertraute und alle Gnaden erhielt, die sie von ihm erbat; ermutigt durch ihre eigene Erfahrung, brachte die Heilige auch andere dazu, ihn zu verehren. In jedem Gebetbuch finden sich einige Gebete zum heiligen Josef. Jeden Mittwoch und vor allem während des gesamten Monats März, der traditionell ihm gewidmet ist, werden besondere Bittgebete an ihn gerichtet. Das Vertrauen des Volkes in den heiligen Josef ist in dem Ausdruck „Ite ad Joseph“ zusammengefasst, der sich auf die Zeit der Hungersnot in Ägypten bezieht, als das Volk den Pharao um Brot bat und er antwortete: „Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt!“ (Gen 41,55). Das war Josef, der Sohn Jakobs, der aus Neid von seinen Brüdern verkauft wurde (vgl. Gen 37,11-28) und der – nach der biblischen Erzählung – später Vizekönig von Ägypten wurde (vgl. Gen 41,41-44). Als Nachkomme Davids (vgl. Mt 1,16.20), aus dessen Wurzel Jesus als Spross hervorgehen sollte, wie der Prophet Natan David verheißen hatte (vgl. 2 Sam 7), und als Bräutigam der Maria von Nazaret stellt der heilige Josef eine Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament dar.

---

Im Nachdenken über die Vaterschaft des hl. Josef nennt der Papst in seinem Schreiben zum Josefsjahr als Erstes den Aspekt des „geliebten Vaters“ und begründet diese Gedanken damit, dass Josef sein Leben und seine Vaterschaft nicht als seine persönliche Leistung oder als sein Eigentum verstanden hat, vielmehr sah er in seiner Rolle einen Dienst an der Menschwerdung Jesu, des Erlösers. In der großen Spannung zwischen Autorität, Verantwortung für die Familie und dem Dienst an Gottes Vorsehung spielte sich sein Leben ab. So wird auch heute noch geistliche Vaterschaft/Mutterschaft als Rückbindung an die Zusage Gottes verstanden, dass er uns im Mitmensch begegnen will, und dass seine Verheißungen mittels menschlicher Lebenswirklichkeit ihre Wege finden. In der Begleitung und dem Rat, aber auch in der kritischen Betrachtung durch Dritte kann uns für unser Leben Hilfe erwachsen. Wo bin ich für Menschen Ratgeber und Helfer? Wem kann ich mich vorbehaltlos anvertrauen? Bin ich bereit, die Einschätzung, den Rat eines Lebensbegleiters anzunehmen, auch wenn sie mich hinterfragt?

 

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

Gedankensplitter zum Josefsjahr

von Kooperator Moritz Neufang

Mit väterlichem Herzen liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien „der Sohn Josefs“ genannt wird. Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas, die seine Gestalt herausgestellt haben, erzählen nicht viel, aber doch genug, dass deutlich wird, auf welche Weise Josef Vater war und welche Sendung ihm die Vorsehung anvertraut hatte.

Wir wissen, dass er ein einfacher Zimmermann war (vgl. Mt 13,55), der Verlobte Marias (vgl. Mt 1,18; Lk 1,27); er war „gerecht“ (Mt 1,19), allzeit bereit, Gottes Willen zu tun, der sich ihm im Gesetz (vgl. Lk 2, 22.27.39) und durch vier Träume (vgl. Mt 1,20; 2,13.19.22) kundtat. Nach einer langen und beschwerlichen Reise von Nazaret nach Betlehem war er zugegen, als der Messias in einem Stall geboren wurde, weil anderswo „kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Er war Zeuge der Anbetung der Hirten (vgl. Lk 2,8-20) und der Sterndeuter (vgl. Mt 2,1-12), welche das Volk Israel bzw. die Heidenvölker repräsentierten.

Er hatte den Mut, vor dem Gesetz die Rolle des Vaters Jesu zu übernehmen, und er gab ihm den vom Engel geoffenbarten Namen: „Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21). Einer Person oder einer Sache einen Namen zu geben bedeutete bei den alten Völkern bekanntlich die Erlangung einer Zugehörigkeit, so wie Adam es nach dem Bericht der Genesis tat (vgl. 2,19-20).

Gemeinsam mit Maria stellte Josef vierzig Tage nach der Geburt im Tempel das Kind dem Herrn dar und hörte mit Staunen die Prophezeiung des Simeon über Jesus und Maria (vgl. Lk 2,22-35). Um Jesus vor Herodes zu beschützen, hielt er sich als Fremder in Ägypten auf (vgl. Mt 2,13-18). Nach seiner Rückkehr in die Heimat lebte er in der Verborgenheit des kleinen unbekannten Dorfes Nazaret in Galiläa – von wo man sich keinen Propheten und auch sonst nichts Gutes erwartete (vgl. Joh 7,52; 1,46) – weit entfernt sowohl von Betlehem, seiner Geburtsstadt, als auch von Jerusalem, wo der Tempel stand. Als sie just auf einer Wallfahrt nach Jerusalem den zwölfjährigen Jesus verloren hatten, suchten Josef und Maria ihn voller Sorge und fanden ihn schließlich im Tempel wieder, wo er mit den Gesetzeslehrern diskutierte (vgl. Lk 2,41-50).

Nach Maria, der Mutter Gottes, nimmt kein Heiliger so viel Platz im päpstlichen Lehramt ein wie Josef, ihr Bräutigam. Meine Vorgänger haben die Botschaft, die in den wenigen von den Evangelien überlieferten Angaben enthalten ist, vertieft, um seine zentrale Rolle in der Heilsgeschichte deutlicher hervorzuheben. Der selige Pius IX. erklärte ihn zum „Patron der katholischen Kirche“, der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII. ernannte ihn zum „Patron der Arbeiter“, und der heilige Johannes Paul II. bezeichnete ihn als „Beschützer des Erlösers“. Das gläubige Volk ruft ihn als Fürsprecher um eine gute Sterbestunde an. (…)

---

Mit diesen Zeilen beginnt Papst Franziskus sein Apostolisches Schreiben „Patris Corde“ („Mit väterlichem Herzen“), mit dem er ein Jahr des Glaubens der Gestalt des hl. Josef widmet. Er lädt uns ein, uns dieser Gestalt im Glauben anzunähern und sie uns zum Freund zu machen. In seinen ersten Worten stellt der Papst den hl. Josef vor. Mir fällt beim Lesen auf, wie viele Seiten und Lebensstationen der Papst beim ihm entdeckt und in Erinnerung ruft. Manches umschreibt auf den ersten Blick nur eine Lebenssituation (Verlobter, Zimmermann als Beruf), die sich auch ändern kann, bei anderen (Vater, Bräutigam, Fremder in Ägypten) ahnen wir eine tiefe Bedeutung mit zum Teil existentiellen Konsequenzen für das eigene Leben. Josef steht mitten im Leben, in seinen Herausforderungen, auch in vielem, was er erst mühsam an sich heranlassen muss. In dieser nachweihnachtlichen Zeit werden wir mit der Gestalt des hl. Josef daran erinnert, dass uns die Menschwerdung Jesu nicht nur als Geschenk des Glaubens, sondern auch als Auftrag für das eigene Leben anvertraut ist, uns selbst gegenüber dem Sohn Gottes zu erklären. In welchem Verhältnis stehe ich zu Jesus? Welche Geschichte habe ich schon mit ihm erlebt? Welchen Dienst an Gottes gutem Werk kann ich jetzt in meiner Lebenssituation tun?

---

Anrufung des Papstes zum hl. Josef

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

 

Adventsfenster 2020 Kempenich